Es wurde millionenfach geteilt, das Video indem eine Influencerin eine Fledermaus-Suppe isst. Seither hält sich der Irrglaube hartnäckig, dass das Coronavirus seinen Ursprung in einer chinesischen Fledermaus-Suppe habe.

(Screenshot: The Sun)
Das Problem ist nur: Das Video wurde nicht in China aufgenommen. Und Fledermaus-Suppe gehört nicht zu den gängigen chinesischen Gerichten. Verschiedenste Medien haben längst auf darauf hingewiesen, die Influencerin hat sich entschuldigt und trotzdem verbreitet sich die Geschichte bis heute weiter. Genau so, wie etwa der Glaube daran, das eine Knoblauch-Salzwasser-Lösung vor dem Virus schütze. Oder dass ein 10-sekündiges Luftanhalten quasi einem Corona-Schnelltest gleichkommt. Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte schon Anfangs Februar, man kämpfe nicht nur «gegen eine Pandemie, sondern auch gegen eine Infodemie». Seither hat die WHO den Falschinformationen den Kampf angesagt, etwa hier (Myth Busters).
Nur warum verbreiten sich diese falschen Geschichten so schnell? Das haben verschiedene Studien untersucht, etwa Vosoughi, Roy & Aral 2018 (The spread of true and false news online). Sie haben die Verbreitung von Gerüchten auf Twitter getestet und kommen zum Schluss, dass Fake-News häufiger geteilt werden, weil sie neuer sind und weil sie Emotionen wecken wie Angst, Ekel oder Überraschung.
Genau einem solchen Geschichts-Cocktail kann unser Gehirn fast nicht widerstehen. Sie hacken quasi unsere sonst so rationalen Sinne und setzten sich in unseren Köpfen fest. Davon können wir für unsere Präsentationen einiges Lernen. Denn, wenn solche falschen Geschichten hängen bleiben, dann sollten bei unserem Publikum auch echte Fakten, die richtig verpackt werden in Erinnerung bleiben. Das sind aber noch längst nicht alle Gründe, warum es sich lohnt sich mit der Macht der Geschichten auseinander zu setzten.
Die Macht der Geschichten
1) Bleiben in Erinnerung
2) Geben Kontext vor
3) Wecken Emotionen
4) Halten die Spannung
5) Steigern den Wert der Fakten
1) Bleiben in Erinnerung ?
Können Sie sich noch erinnern, wo sie an 9/11, bei den Anschlägen in den USA waren? Die meisten von uns können auch fast 20 Jahre danach nicht nur an Ort und Begleitung, sondern auch die Situation und die Gefühle damals nachempfinden. Emotionen helfen unserem Gehirn wichtige Dinge nicht zu vergessen. Während Fakten kaum Emotionen wecken, schaffen das ganz konkrete Geschichten. Gehirnscans etwa zeigen eine erhöhte Aktivität, beim Hören von Geschichten und noch erstaunlicher, die Aktivitätsregionen von Erzähler und Zuhörer synchronisieren sich mit der Zeit. Das konnten Forscher der Universität Princeton zeigen. Geschichten sind also das beste Mittel um jemand anderem unsere Ideen zu vermitteln. Sehr deutlich wird der amerikanische Psychologe Jerome Bruner, der in seinem Buch schreibt:
Geschichten bleiben 22 mal besser in Erinnerung als Fakten. (Jerome Bruner, Actual Minds, Possible Words)
Konkrete Geschichten bleiben hängen, weil wir sie mit Dingen und Emotionen verknüpfen die wir kennen. So fällt uns das Lernen von einzelnen Wörter in einer fremden Sprache etwa geht sehr viel einfacher, wenn wir diese Wörter mit etwas Bekanntem verknüpfen können. Auch Eselsbrücken bedienen sich diesem Mechanismus. Je konkreter ihre Geschichte und je eher das Publikum sich in diese hineinversetzten kann, desto eher bleibt sie in Erinnerung.
2) Geben Kontext vor ?
Der Durchschnittslohn liegt in der Schweiz bei rund 6500 CHF pro Monat (admin.ch). Ein Fakt, der von jeder Person, die das liest anders interpretiert wird. Für die einen sehr viel Geld, für die andern erstaunlich wenig. Und jemand vom andern Ende der Welt, hat unter Umständen gar keine Vorstellung davon, was das bedeutet weil er den Umrechnungskurs nicht kennt. Ein Fakt interpretiert jede Person mit den Erfahrungen, Fakten und Geschichten, die ihr zur Verfügung stehen.
Geschichten schaffen einen Rahmen, wie ihr Publikum ihre Fakten interpretieren kann. Nur so stellen Sie sicher, dass ihre Fakten in ihrem Sinn verstanden werden. Wenn sie ihre Fakten der Interpretation des Publikums überlassen, ist die Chance hoch, dass sie nicht richtig verstanden werden.
3) Wecken Emotionen ?
An der Grundschule hatte ich eine junge Lehrerin, die mochte ich besonders gern. Sie hatte stets ein fröhliches Lächeln für uns Knirpse übrig und Lernen bei ihr ging mir einfach. Wir hören jemandem besser zu und lernen mehr, wenn wir die Person sympathisch finden.
Genau da unterstützen uns Geschichten. In einer aufsehenerregenden Studie konnten Paul Zak und sein Team nachweisen, dass emotionale Geschichten die Oxytocin-Ausschüttung verstärken. Oxytocin ist das Hormon, das nicht nur die Beziehung von Mutter zu Kind, sondern eine Vielzahl unserer sozialen Interaktionen bestimmt. Wenn unser Gehirn Oxytocin ausschüttet, nehmen wir andere Menschen sympathischer, vertrauenswürdiger wahr, werden grosszügiger und mitfühlender.
Die Forscher haben etwa verschiedenen Studienteilnehmer einen Kurzfilm des 2-jährigen Ben gezeigt, der einen Hirntumor im Endstadium hat. Sein Vater erzählt im Film über die Herausforderungen in diesen letzten Tagen seines Sohnes und wie er damit umgeht. Das Anschauen dieses Video, hat im Vergleich zu einer neutralen Geschichte der beiden Figuren, bei den Versuchsteilnehmern ein hohes Mass Oxytocin ausgeschüttet.
Was dann passiert konnte man in einem Folgeversuch deutlich aufzeigen. Menschen denen beim Anschauen von Werbung das Bindungshormon Oxytocin gespritzt wird, spenden mehr.
Ob sie es wollen oder nicht, den Effekt, den Emotionen auf uns haben, macht sich auch die Werbung zu gute, etwa der Super Bowl Werbespot von Google.
Wenn Sie es also als Redner schaffen mit einer emotionalen Geschichte bei ihrem Publikum die Oxytocin-Ausschüttung zu provozieren, dann wird man ihnen lieber zuhören, ihnen Fehler eher verzeihen und wie das Beispiel der beliebten Lehrerin zeigt, ihr Publikum wird auch mehr lernen.
Das geht auch mit Fakten. Ein tolles Beispiel dafür befindet sich etwa im Heineken-Museum in Amsterdam. Statt die Zuschauer mit Jahreszahlen der Gründungsgeschichte zu langweilen, taucht das Publikum ein in eine Geschichte voller Rückschläge und Erfolge der Gründerfamilie.
4) Halten die Spannung ?
Es passiert mir regelmässig bei Filmabenden mit meiner Frau. Sie wählt den Film und schläft nach den ersten 5 Minuten ein. Und doch habe ich den Film noch praktisch immer zu Ende geschaut. Weil ich wissen will, wie er endet, egal wie schlecht der Film ist.
Geschichten halten den Spannungsbogen hoch. Aber Achtung, damit ihr Publikum dranbleibt, braucht es in ihrer Geschichte einen Höhe- oder Umkehrpunkt. Sie können die Spannung nur hochhalten, wenn sie ihre Zuhörer ganz gezielt da hinführen. Um also ihr Publikum dabei zu halten, warum nicht eine Geschichte starten und erst zum Ende des Referats fertig erzählen. So schlagen sie einen Bogen und geben dem Publikum einen Grund dabei zu bleiben.
5) Steigern den Wert der Fakten ?
Ein Gegenstand oder Fakt hat in der Regel keinen grossen emotionalen Wert. Ein Ring etwa wird dann wirklich wertvoll, wenn eine Geschichte damit verbunden ist. Etwa ein Hochzeitsring, der eine ganze Liebesgeschichte erzählt. Rob Walker und Joshua Glenn haben in einem Experiment aufgezeigt, wie Geschichten den Wert einer Sache verändern. Sie haben in Flohmärkten und Secondhand-Läden rund 100 Gegenstände jeder für rund einen Dollar gekauft. Von diesen Dingen, etwa Tassen, Figuren oder anderen Sachen haben sie ein Foto gemacht und Schriftsteller eine fiktive Geschichte dazu schreiben lassen. Dann wurden die Gegenstände inklusive der Geschichte auf Ebay versteigert.

Die Glashenne wurde für 0.50$ gekauft und für 34$ weiterverkauft
Insgesamt haben die Autoren des Versuchs 128.74$ für die rund 100 Gegenstände ausgegeben und nach dem Verkauf ganze 3’612.51$ eingenommen. Die erfundene Geschichte hinter den Gegenständen haben also den Marktwert fast 30x erhöht. Dies einzig, weil Gegenstände plötzlich Emotionen transportieren, der materielle Wert der Sache rückt in den Hintergrund. Auch Sie können ihren Fakten einen neuen emotionalen Wert geben, wenn sie die Macht der Geschichte elegant einsetzten.
Gutes Gelingen! Weitere hilfreiche Tipps für ihre Präsentationen gibt es übrigens gleich unterhalb.