Authentizität trainieren? – So funktionierts!

Authentizität trainieren?

Ich höre das Vorurteil oft: Wer seine kommunikativen Fähigkeiten trainiert, verliert an Authentizität.

Ich bin überzeugt, das Gegenteil ist wahr.

Vor Publikum sprechen, ist für die meisten Menschen eine ungewohnte Situation unter höchster Anspannung. Kaum jemand Ungeübtes schafft es, in diesen Momenten sich selber zu sein.

Schon zu Aristoteles Zeiten galt die Rhetorik deshalb als „ars est celare artem“. – Als Kunstform, welche die Kunst verbergen kann. Oder anders formuliert, die Kunst eine komplexe Handlung fürs Publikum einfach aussehen zu lassen. Genau wie im Sport, führt der Weg zu einem authentischen Auftritt über viel Training. Und über die drei R:

Die drei R:

🕺🏻 Rolle:

So wie Du zu Hause anders kommunizierst als vor deinem Team, so schlüpfst du auch bei deiner Präsentation in eine Rolle. Damit ein Schauspieler seine Figur möglichst authentisch spielt, beschäftigt er sich intensiv mit der Persönlichkeit, die er verkörpert.

Das gleiche gilt auch als Redner. Stehst Du als CEO oder Moderator, als Experte oder Gastgeber vor deinem Publikum? Erst wenn du dich deiner Rolle bewusst wirst und dich in ihr wohlfühlst, kannst du sie auch authentisch füllen.

➡️ Finde deinen ganz persönlichen Stil und versuche nicht jemanden zu kopieren. Das Publikum entlarvt schlechte Schauspieler schnell.

♻️ Repetition:

Unter Stress neigen wir dazu Dinge zu machen, die wir sonst nicht tun. Wir sprechen schneller, Atmen flacher, bewegen uns hektischer. Das wirkt weder authentisch noch souverän.

Steve Jobs war bekannt dafür, seine Reden x-fach zu wiederholen. Jede Handbewegung, jede Pause, jeden Schritt hat er einstudiert, ähnlich wie ein Schauspieler seine Choreografie. Mit jeder Repetition fühlen wir uns im Text wohler und in unseren Bewegungen sicherer.

➡️ Texte nicht auswendig lernen, sondern immer wieder neu formulieren.

🌍 Realität:

Trotz allem Training. Authentisch wirkt ein Redner nur dann, wenn er voll präsent ist. Wie reagiert das Publikum? Wie ist die Stimmung im Raum? Passiert gerade etwas Unvorhergesehenes? Nimm das bewusst wahr und lass das Publikum an deinen Emotionen teilhaben.

Noch fast wichtiger: Was bedeutet das, was ich sage fürs Publikum – und was bedeutet es für mich? Oft erlebe ich Speaker, die vor lauter Konzentration ihre Magic Moments verpassen. Ein Schauspieler versucht bei jedem Auftritt neu, die Emotionen des Moments zu erleben. Als Sprecher muss ich mich ebenfalls vom Text lösen und zusammen mit dem Publikum in die Realität des Moments eintauchen.

➡️ Die Aufmerksamkeit kurz vor dem Referat bewusst auf den Moment lenken, statt den eigenen Text zu wiederholen.